Heute möchte ich einen Einblick in meine Arbeit als Paartherapeutin geben. Es geht dabei um den „Code für glücklichere Beziehungen“, eine Methode, die ich entwickelt habe, um Paare wieder in Verbindung zueinander zu bringen, die sich über die Jahre in ihrer Beziehung entfremdet haben. Wenn wir gemeinsam analysieren, woher das kommen könnte, taucht ein Phänomen immer wieder auf: Dass Paare glauben, sich nach einigen Jahren so gut zu kennen, dass sie vieles gar nicht mehr hinterfragen. Das ist erst einmal verständlich und auch menschlich.
Im Laufe der Jahre baut man sich aus Erfahrungen mit dem anderen, der eigenen Gefühlswelt und vielen Anahmen und Überzeugungen über Beziehung allgemein eine „Version“ des Gegenübers auf, die es ermöglicht, den anderen leichter zu verstehen, und schneller beurteilen zu können, worum es gerade geht. Sozusagen eine gemeinsame emotionale Komfortzone. Dabei spielt zum einen Körpersprache, also Mimik und Gestik, eine Rolle, und zum anderen der Tonfall, die Wortwahl sowie gewisse Floskeln oder Lieblingssätze. Beispiel: Wenn er so guckt, ist er gestresst, wenn sie dies tut, dann weil sie eigentlich das will, wenn er so reagiert, meint er eigentlich jenes undsoweiter. Zunächst einmal hilft das im Alltag dabei, schneller und effizienter beispielsweise auf Fragen zu reagieren, da man die Verhaltensweisen, Blicke und Gefühlsmodi des anderen„kennt“.
Das gleiche Muster zeigt sich häufig auch bei Gesprächen. Person A sagt etwas, Person B meint zu verstehen, was damit gemeint ist. Und deshalb hat Person A schon Antworten im Kopf parat und antwortet auf das, was sie glaubt gehört zu haben. Was dabei automatisch passiert, ist, dass Person A und Person B sich nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit zuhören. Das ist sinnvoll, da es unserem System Zeit spart und unserer Psyche ein Gefühl von Sicherheit gibt.
Doch dadurch entgeht vielen Paaren auch die Möglichkeit, sich selbst und den anderen zu hinterfragen, sich immer wieder neu zu entdecken und weiterzuentwickeln. Wir alle verändern uns täglich und sind nicht mehr die gleiche Person, die wir noch zu Beginn einer Beziehung waren.
Ein weiterer Nachteil ist, dass auch die Lebendigkeit in der Beziehung verloren gehen kann und damit die Verbindung zu uns selbst und unserem Gegenüber. Das wiederum kann zu Näheverlust, Frust und Entfremdung führen. Die Beziehung fühlt sich dann wie eingefahren an, irgendwie langweilig, leblos.
Wie können Paare aus dieser verfahrenen Situation wieder herauskommen? Ganz klar: Indem sie üben, von vorne aufeinander zuzugehen, alte Erfahrungen und Erinnerungen bewusst abzulegen, den anderen von einer neuen Seite zu sehen, und auf eine liebevollere Art und Weise in einem regelmäßigen Turnus miteinander zu sprechen, so wie es der „Code für glücklichere Beziehungen“ vorschlägt.
Als neue “Sprache” dient die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Rosenberg, in Kombination mit einer Variante der bekannten „Zwiegespräche“ (Möller, „Die Wahrheit beginnt zu zweit“). Zuerst lernen Paare anhand von vier Schritten die wertschätzende, vorwurfsfreie und liebevolle Redeweise nach Marshall Rosenberg. Die Aufteilung erfolgt in vier konkreten Schitten: 1. Das Thema als Beobachtung, 2. das Gefühl, das dadurch ausgelöst wird, 3. das dahinter stehende Bedürfnis und 4. der Wunsch in die Zukunft. Dieses Schema lässt keine Möglichkeit für Vorwürfe oder verbale Angriffe zu und ermöglicht gleichzeitig ein neues, vielleicht nie da gewesenens, tieferes Verständnis füreinander. Dauerschleifen, Fehlkommunikation, Missverständnisse und Mikro-Verletzungen im Alltag werden ausgemerzt. Selbst hochstrittige Themen oder heikle Konflikte können auf neue Weise verhandelt werden. Die wertschätzende Gesprächsebene gibt Einblicke in die Gefühlswelt des Partners und fördert die Akzeptanz und Annahme der Andersartigkeit. Sie baut Vertrauen und Intimität auf und führt so wieder zu Lebendigkeit und Verbundenheit in einer Beziehung.
Die ersten Gespräche im Rosenberg Stil werden gemeinsam in der Praxis geübt. Danach verabreden sich die Paare regelmäßig zu einem Zwiegespräch, bei dem sie über die Dinge sprechen, die ihnen wichtig sind, anhand des 4 Schritte-Schemas. Die Themen für das „ Zwiegespräch“ werden von beiden vorbereitet. Das können Situationen der vergangenen Tage sein, Missverständnisse, alte Konflikte, Gedanken zur Beziehung allgemein oder auch über das, was einen gerade beschäftigt (Job, Familie, Freundschaft, Politik). Sobald einer von beiden die neue Technik vergisst und zum alten Kommunikationsmuster zurückkehrt, wird unterbrochen. Entscheidend für den Erfolg der Methode ist, dass die Paare einen guten Ort und einen passenden Zeitpunkt finden, beim dem sich beide auf das Gespräch konzentrieren können. Viele meiner Klientinnen und Klienten haben sich durch den Code für glückliche Beziehungen wiedergefunden und berichten, dass sie auch nach einigen Monaten immer wieder zu diesem Ritual zurückkehren.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder das Gefühl haben, ihre Beziehung könnte sich durch eine neue Art der Kommunikation verbessern und Sie möchten dafür etwas tun, dann schreiben Sie mir unter change@lifecoach-hd.de oder rufen Sie mich an.